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Rhetorik nach Aristoteles: Ethos, Pathos und Logos im Vertrieb

Jesse KlotzGeschäftsführer Performance Marketing
Veröffentlicht
Aktualisiert
Lesezeit
5 Min. Lesezeit
Inhalt12 Abschnitte
  1. 01Was bedeuten Ethos, Pathos und Logos?
  2. 02Welche Redegattungen unterscheidet Aristoteles?
  3. 03Wie setzen Sie das Enthymem im Gespräch ein?
  4. 04Wie wirkt Ethos im Erstgespräch?
  5. 05Wann wirkt Pathos im Verkauf, und wann kippt es?
  6. 06Wie baut Logos ein Gesprächsargument auf?
  7. 07Praxisbeispiel: Erstgespräch mit einem Einkaufsleiter
  8. 08Rechnung: Was ein besserer Einstieg bringt
  9. 09Wann die Rhetorik nach Aristoteles nicht reicht
  10. 10Checkliste für das Erstgespräch
  11. 11Wie passt die Methode zur Telefonakquise?
  12. 12Häufige Fragen zur Rhetorik nach Aristoteles

Kurz gesagt

Aristoteles unterscheidet drei Mittel der Überzeugung: Ethos (Glaubwürdigkeit), Pathos (emotionale Ansprache) und Logos (nachvollziehbare Argumente). Im Vertrieb entscheidet die Mischung dieser drei, ob ein Entscheider im Erstgespräch einem Termin zustimmt.

Dieser Beitrag stammt von Februar 2025. Aktuelle Preise und Konditionen von KRAUSS stehen auf der Fakten-Seite und der Preisseite.

Wer nur eines davon nutzt, verliert meist den Termin.

Stand: Oktober 2026

Was bedeuten Ethos, Pathos und Logos?

Ethos, Pathos und Logos sind die drei Überzeugungsmittel aus der aristotelischen Rhetorik. Ethos beschreibt den Eindruck, den der Sprecher hinterlässt. Pathos meint die Gefühle, die eine Rede weckt. Logos ist die Struktur der Argumente. Aristoteles behandelt alle drei als Bausteine, die zusammengehören.

Im Vertrieb sieht das so aus: Ethos entscheidet, ob der Gesprächspartner Ihnen zuhört. Pathos entscheidet, ob ihn ein Anlass berührt. Logos entscheidet, ob er einen Termin für sinnvoll hält.

Welche Redegattungen unterscheidet Aristoteles?

Aristoteles teilt Reden nach ihrem Zweck in drei Gattungen. Die Gerichtsrede beurteilt Vergangenes, die beratende Rede wägt Künftiges ab und die Lobrede würdigt die Gegenwart. Für ein Verkaufsgespräch passt am ehesten die beratende Form, denn der Gesprächspartner entscheidet über ein künftiges Vorhaben.

Die beratende Rede arbeitet mit Nutzen und Risiko. Sie fragt, was passiert, wenn der Kunde handelt, und was passiert, wenn er wartet. Genau diese Frage stellt ein gutes Erstgespräch.

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Wie setzen Sie das Enthymem im Gespräch ein?

Ein Enthymem ist ein verkürzter Schluss. Eine Prämisse bleibt unausgesprochen, weil das Gegenüber sie ohnehin teilt. Im Telefon wirkt das, wenn Sie eine Selbstverständlichkeit weglassen und den Gesprächspartner die Lücke schließen lassen.

Ein Beispiel: Ein Einkaufsleiter kennt die Lieferprobleme seiner Lieferanten. Die Aussage Wer heute einen zweiten Lieferanten sucht, sollte die Fragen jetzt stellen, braucht keine Begründung mehr. Der Zuhörer ergänzt, dass ein zweiter Lieferant Risiko senkt.

Wie wirkt Ethos im Erstgespräch?

Ethos entsteht im Gespräch durch drei Signale: Sachkenntnis, Verlässlichkeit und Rücksicht auf das Gegenüber. Nennen Sie in den ersten 30 Sekunden einen konkreten Bezug zur Branche des Gesprächspartners und einen belegbaren Fakt. Ein Satz wie Wir betreuen Hersteller im Maschinenbau wirkt mehr als ein Eigenlob über die eigene Kompetenz.

Vermeiden Sie Formeln, die Selbstsicherheit vortäuschen sollen. Wer sagt, er sei der beste Partner, muss das belegen. Wer sagt, er wisse, welche drei Fragen eine Einkaufsleitung im ersten Gespräch hat, muss sie stellen können.

Wann wirkt Pathos im Verkauf, und wann kippt es?

Pathos wirkt, wenn er an einen konkreten Anlass anknüpft. Ein Werksleiter reagiert auf einen Lieferengpass, den er gerade lösen muss. Er reagiert nicht auf allgemeine Dringlichkeit. Der Unterschied liegt im Anlass, nicht in der Lautstärke.

Pathos kippt, wenn er Druck erzeugt. Sätze wie Sie verlieren sonst Marktanteile senken die Glaubwürdigkeit. Im Einkauf und bei Compliance-Verantwortlichen wirkt Druck oft negativ. Diese Rollen prüfen Argumente nach festen Kriterien.

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Wie baut Logos ein Gesprächsargument auf?

Logos verlangt, dass der Gesprächspartner Ihr Argument nachvollziehen kann. Eine Zahl mit Herkunft überzeugt mehr als eine Zahl ohne Quelle. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die drei Mittel im Telefon konkret übersetzen lassen.

Wie baut Logos ein Gesprächsargument auf?
MittelFrage im GesprächBeispielsatzPrüfung vor dem Anruf
EthosWarum glaubt der Gesprächspartner mir?Wir haben im Frühjahr zwei Maschinenbauer aus Ihrer Region zu diesem Thema betreut.Ist der Bezug belegbar und darf er genannt werden?
PathosWelcher Anlass beschäftigt ihn gerade?Mit der Erweiterung im Werk 2 wird die Frage nach dem zweiten Lieferanten wichtiger.Gibt es einen öffentlichen oder genannten Anlass?
LogosKann er meine Zahl nachrechnen?Bei 40 Anfragen im Monat und einer Abschlussquote von 10 Prozent entstehen 4 Aufträge.Stehen Annahme und Herkunft der Zahl im Text?

Quelle der Beispielzahlen: Annahmen für die Darstellung, keine Marktdaten. Ersetzen Sie sie durch Ihre eigenen Werte.

Praxisbeispiel: Erstgespräch mit einem Einkaufsleiter

In einem Projekt für einen Hersteller von Etikettiermaschinen führte das Team 60 Erstgespräche mit Einkaufsleitungen. Der Einstieg begann mit dem Angebot, und in 31 Gesprächen kam der Satz Schicken Sie uns Unterlagen. Danach stellte das Team den Einstieg um: Die Frage lautete, welcher Schritt in der Verpackung die meiste Zeit bindet, und es folgte ein Anlass aus dem Umfeld des Kunden.

Nach der Umstellung fiel der Satz mit Unterlagen in 14 von 60 Gesprächen. 9 Gesprächspartner nannten einen Termin mit einem Fachverantwortlichen. Vorher waren es 4 Termine aus 60 Gesprächen.

Die Zahlen sind ein anonymisiertes Praxisbeispiel mit realistisch gewählten Werten. Sie sind keine Garantie und keine Studie.

Rechnung: Was ein besserer Einstieg bringt

Die Rechnung zeigt, wie viel ein verbesserter Einstieg bei gleichem Aufwand bringt. Alle Werte stammen aus dem Praxisbeispiel und sind Annahmen für Ihren Fall.

Rechnung: Was ein besserer Einstieg bringt
GrößeVorherNachherHinweis
Erstgespräche6060gleicher Aufwand
Termine mit Fachverantwortlichem49Praxisbeispiel
Terminquote6,7 Prozent15 Prozent9 geteilt durch 60
Abschlüsse aus den Terminen (Annahme 25 Prozent)12,25Annahme, mit eigenen Zahlen prüfen

Bei dieser Annahme bringt der bessere Einstieg rund 1,25 zusätzliche Abschlüsse je 60 Erstgespräche. Wie teuer ein Termin in Ihrem Fall ist, zeigt der Wirtschaftlichkeits-Rechner.

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Wann die Rhetorik nach Aristoteles nicht reicht

  • Ohne Bedarf wirkt jede Rhetorik ins Leere. Wer keinen Anlass hat, hört auch keine gute Argumentation. Qualifizieren Sie zuerst, dann argumentieren Sie.
  • Ethos ohne Beleg klingt hohl. Eine Aussage über Kompetenz braucht einen Fall, eine Zahl oder eine Referenz, die Sie nennen dürfen.
  • Pathos bei Compliance-getriebenen Rollen schadet. Einkauf, Recht und Qualität prüfen nach Kriterien. Dort zählt die Nachvollziehbarkeit.
  • Rhetorik ersetzt keine Recherche. Wer den Namen, die Rolle oder den Anlass nicht kennt, kann auch mit dem besten Satz keinen Termin vereinbaren.

Checkliste für das Erstgespräch

  • Anlass des Gesprächspartners notiert (Erweiterung, Engpass, Wechsel im Team)
  • Ein belegbarer Bezug zur Branche genannt
  • Eine Zahl mit Herkunft oder klar markierter Annahme vorbereitet
  • Eine Frage formuliert, die eine Antwort verlangt
  • Ein Enthymem bewusst eingesetzt, und die fehlende Prämisse ist allgemein anerkannt
  • Nach dem Gespräch notiert, welches Mittel gewirkt hat

Wie passt die Methode zur Telefonakquise?

Im Telefon fehlen Mimik und Körpersprache. Ethos, Pathos und Logos müssen deshalb im Wortlaut stecken. Ein Gesprächsleitfaden hilft, die Reihenfolge festzulegen. Die Einwandbehandlung zeigt, wie Logos auf Gegenargumente antwortet. Die Grundlagen finden Sie im Glossar zur Einwandbehandlung und im Leitfaden Einwandbehandlung am Telefon.

Wie eine Telefonansprache im Ganzen aufgebaut sein kann, zeigt die Seite zur Telefonakquise. Für die Vorbereitung eignet sich die Einwandkarte.

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Häufige Fragen zur Rhetorik nach Aristoteles

Die Antworten oben beschreiben die drei Überzeugungsmittel und deren Anwendung im Gespräch. Die Beispiele sind Annahmen, die Sie mit Ihren Zahlen ersetzen sollten.

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